Unkonventionell - Bericht über die Ausgrabung 2013

Die Idee: Jeder Teilnehmer, der Lust hat, kann über ein besonderes Erlebnis oder Ereignis berichten.
Das Resultat: Spannende persönliche Einblicke in ein internationales Ausgrabungsprojekt.

Erste Erlebnisse wurden schon gleich unter Wasser festgehalten.

Eine Feldküche und die Frage: Wie viele werden wir sein?

Eigentlich war es anders geplant, aber ein gutes und produktives Team zeichnet sich dadurch aus, dass es auch auf unvorhergesehene Situationen professionell reagieren kann. Unser Küchenmeister, ein Freund, der die Versorgung des Teams übernehmen sollte, verließ uns nach nur 2 Wochen. Nun hieß es, das Team so zu organisieren, dass wir weiterhin produktiv waren und trotzdem satt wurden. Ja und manchmal sind es genau diese Situationen, die ein Team noch enger zusammenwachsen lassen. So wurde die Arbeit in der Küche, das Einkaufen, das Kochen, das Reinigen aufgeteilt und - es funktionierte. Es funktionierte so gut, dass wir uns die Bäuche rieben und dachten: Mann war das lecker. Nun, unsere wechselnden Köche (Christa, Ivana, Fabe, Mirko) ließen sich nicht lumpen. Unglaublich was da gezaubert wurde: gegrillte Doraden, gefüllte Paprikaschoten, Suppen, Rinderrouladen, Pasta, Salate, Eintöpfe, Sauerkraut und Bratwurst.

Ohne Frage ist es auch eine besondere Herausforderung, für mehr als 20 Personen, Taucher im Besonderen, zu kochen und alle Mahlzeiten am Tag zu organisieren. Unvorstellbare Mengen werden da an langen Tagen mit Arbeit und anspruchsvollen Tauchgängen verdrückt. Da wird man schon zum besten Kunden des Metzgers und Gemüsehändlers im Ort. Immer hatten wir einen Riesenvorrat an Gurken, Tomaten und Paprika auf Lager, aber auch gigantische Mengen an Keksen und Schokolade (ein Muss nach den Tauchgängen in der Tiefe, die mit der Zeit dann schon auch kalt wurden). Hin- und wieder tauchten Gäste auf, so dass die  spannendste Frage immer war: Wie viele Personen werden wir wohl beim Essen sein? Also galt immer die Devise: Machen wir mal reichlich! (Christa S.)

Eine Ausgrabung UW mit ca. 20 Tauchern, mit der Hand oder Technik?

Viele waren überrascht, mit welcher Technik die FUWA anreiste. Ein großer mannshoher Anhänger wurde am ersten Tag entladen und enthielt: Unterwasserpumpen, Schläuche, wasserfestes Papier, Klemmbretter, Tauchflaschen, Kompressoren, Erste-Hilfe-Ausrüstung (Notfallkoffer), Zelt für ca. 25 Personen, Kühlschrank, Geschirr für 30 Personen (Teller, Gläser, Besteck, Tassen), ein Schrank, improvisierte Abwaschgelegenheit, Verpackungsmaterial, Metalldetektor, Gewürze, Vorräte u.v.m.

Auch bei diesem Projekt stellte sich heraus: "Teamgeist" ist das Zauberwort, um sich jeden Tag, auch wirklich jeden Tag, auf neue Situationen einzustellen.

Ich danke jedem FUWA-Mitglied für die Hilfe! Ganz besonderer Dank gilt Peter, der sich opferte und auf Tauchgänge verzichtete, um Flaschen zu füllen. Archäologie ist nicht nur Geschichte und Tauchen, sondern auch Freunde kennenlernen, Teamgeist erleben und sich auf andere verlassen können. Es ist eindeutig nichts für Einzelkämpfer.

PS: Ich bin seit dem Projekt in Kroatien keks- und schokoladensüchtig. (Herbert S.)

Die Saugpumpe des FUWA e.V. stärkte beim Anlassen die Muskeln und räumte danach viele Kubikmeter Sediment weg.

Grundnahrungsmittel für Unterwasserarchäologen

Das Tauchen im Allgemeinen unterliegt bekanntermaßen bestimmten Gesetzmäßigkeiten. So wird zum Beispiel bei jedem Tauchgang Sauerstoff vorgehalten, für den Fall eines Notfalls. Für das Gagliana-Projekt entwickelte sich schnell ein neuer, geradezu revolutionärer Grundsatz heraus: Tauche nie ohne Kekse! Das Keks-Prinzip fand schnell große Akzeptanz unter den archäologischen Tauchern auf dem Boot und man sah sie vor und nach den Tauchgängen selig lächelnd kauen und mit Krümeln auf dem Neopren an der Reling sitzen. Neben den offiziellen Vorräten zur Verpflegung, die oft schon nach dem ersten Tauchgang verzehrt waren, entwickelte sich eine gewisser Selbstversorgungstrieb an Bord und erstaunlich große Vorratspackungen wurden bald aus den privaten Tauchtaschen hervorgezaubert. Manch ein Teilnehmer äußerte gar die Meinung, der große Erfolg des Projektes sei maßgeblich den kroatischen Keksen zuzuschreiben!

Die großen Tauchsportorganisationen erwägen inzwischen, das Keks-Prinzip in ihre Standards aufzunehmen und besonders verdienten Tauchern das Ein-, Zwei-, oder Drei-Keks- Brevet zu verleihen. (Clemens H.)

Ein kleiner Handgriff mit großer Wirkung

Da hatte ich mich gefreut, sie auf einem schwankenden Boot allein angezogen zu haben und nun das: Irena verkündet mit leuchtenden Augen, dass unten am Wrack die Devise lautet: Flossen aus! Oh man, schießt es mir durch den Kopf, kaum an, schon wieder ausziehen...

Sei's drum, archäologisches Tauchen ist eben doch etwas Besonderes. Und es ist unglaublich, in welche Erlebniswelt man unter Wasser nach einem sicherlich beim ersten Mal etwas ungelenk aussehendem Flossen ausziehen eintaucht. So muss es den ersten Menschen auf dem Mond auch ergangen sein, wenn man sich die Fernsehbilder in Erinnerung ruft: ausgelassenes Rumhüpfen in einer anderen, schwerelosen Welt. Unter Wasser ist es natürlich nur eine scheinbare Schwerelosigkeit, die aber der echten in nichts nachsteht. Sprung, Schweben, Landen, Sprung.... Wer das noch nie gemacht hat, der hat etwas versäumt! (Stefan N.)

Die ausgezogenen Flossen waren bei einem wachsamen Schleimfisch in guten Händen.

Wie geht's?

Diese Frage gehörte jeden Morgen zur guten Laune im Camp des Gnalic-Projektes. Aber wie soll man fragen, wenn Taucher und Taucherinnen, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus vielen Ländern der Welt dabei sind?

Kako si? (kroat.),

Come sta? (ital.),

Como está? (portugies.),

¿Cómo estás? (span.),

Hoe gaat het? (niederländ.),

お元気ですか?(japan.) und auch noch

ازيك؟ (ägypt.).

Die Lösung liegt auf der Hand! Die Weltsprache Englisch wird es einfach übermitteln:

How are you? - Und die Welt ist in Ordnung. (Ute A.)

Kurz vor sieben

Kurz vor sieben, Herbert und ich fahren zum Supermarkt. Peter wartet schon davor. Tomaten, Eier, Milch, Käse, Wurst, Orangensaft, eine große Wassermelone… und Kekse, bloß die Kekse nicht vergessen. Jetzt zum Bäcker. Hier haben wir für jeden Tag frisches Brot und Vollkornstangen bestellt. Nun in das kleine Cafe am Hafen. Einen Capuccino und ein Glas Wasser, wie es alle hier machen. Ich habe das Gefühl als wäre hier jeden Morgen eine kleine „Gemeinderatsitzung“: Man trifft sich, tauscht die Zeitung miteinander aus und diskutiert in einer für mich unbekannten Sprache. Zurück zur Basis und ein großes, gemeinsames Frühstück. Der Tag kann beginnen! (Stefan K.)

Die erste Begegnung mit dem Wrack…..Wie im Märchen….

Das Schiff war beladen und die Fahrt Richtung Wrack begann. Die Spannung stieg und nach ca. einer Stunde waren wir da. Einteilung der Schichten, Besprechung der Arbeitsaufträge, Briefing und schon ging es zum ersten Mal ans Wrack. Was sollte mich dort erwarten?

Mit Spannung ging es in die Tiefe. Um einen Überblick zu bekommen, gab es erst eine Orientierungsrunde rund ums Wrack. Es war schon beeindruckend, dies alles live zu sehen, was man sonst nur aus dem Fernseher kennt. Dann ging es an meinen „Arbeitsplatz“. Mein Arbeitsauftrag lautete: “C17 Perlen einsammeln!“ Eine Archäologin war schon dort und ich gesellte mich, nachdem ich meine Flossen sicher verankert hatte, neben sie und begann mit Handschuhen, stecknadelkopfgroße Perlen aufzusammeln.

Im ersten Moment kam ich mir vor wie Aschenputtel. „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen!"Aber schnell kam ein beeindruckendes Gefühl in mir auf. Überall lagen Perlen herum. Runde, längliche, weiße, blaue und schwarze. Wenn einem dann bewusst wird, das diese schon über 400 Jahre dort liegen und hätten an einem Gewand des Sultans hängen können, ist das schon ein beeindruckendes Gefühl. Während ich diese Gedanken noch nicht zu Ende gesponnen hatte, kam auch schon das Zeichen, das die Zeit um sei und wir wieder auftauchen müssen. Dies war der Anfang einer sehr interessanten Zeit. (Christina K.)

Auch nach 400 Jahren auf dem Meeresgrund haben die Murano-Glasperlen ihren Zauber nicht verloren.


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