Vorträge und Fachtagungen

19.11.2014 - Vortrag "Unterwasserarchäologie in Rheinland-Pfalz"

Festung Ehrenbreitstein in Koblenz

Bernd Fischer, Landesarchäologie Rheinland-Pfalz Speyer

Ein Vortrag im Rahmen einer Vortragsreihe der Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel e.V..

Es muss nicht gleich der Schatz der Nibelungen sein. Der Rhein hält noch so manche andere Überraschung parat. Vor allem in seinen durch die Rhein-Begradigung abgetrennten Altarmen und in seinen Seen, die der Rhein zurückließ, als er im Laufe der Jahrtausende immer wieder sein Bett veränderte. So gelangen vor allem im rheinland-pfälzischen Rheintal zwischen Mainz und der Grenze zu Frankreich immer wieder spektakuläre Entdeckungen. Ein ganz besonderer Fund war Schwerpunkt des Vortrages:

2003 entdeckte ein Sporttaucher bei einer beauftragten Fischzählung im Ratjens Weiher, einem kleinen Baggersee bei Wörth am Rhein, ein Schiffswrack aus dem 13. Jahrhundert. Die Unterwasser-Archäologen waren wie elektrisiert. Gab es doch aus dieser Zeit bisher nur wenige Funde und kaum Kenntnisse über die genaue Bauweise, Technik und das verwendete Material beim Bau von Kähnen - und jetzt ein fast vollständig erhaltenes hochmittelalterliches Schiffswrack.

Aber die Tücke liegt im Detail, wie Bernd Fischer berichtete. Zuerst galt es, genügend Forschungstaucher, Material und finanzielle Mittel zu organisieren. Dann musste die Grabungsstelle unter Wasser aufwendig eingerichtet werden, was mit vielen Fotos anschaulich dargestellt wurde. Viele Messungen wurden durchgeführt und dokumentiert. Die Ergebnisse entschädigten aber für alle Mühen. Ursprünglich dürfte das Schiff fast 20 Meter lang gewesen sein. Es ist ein für diese Zeit typisches Flachbodenboot und diente mit seiner relativ niedrigen Bordwand als Frachter oder Fähre. Das Holz dazu, so ergaben Messungen, wurde um das Jahr 1264 am Moselabschnitt im Saarland geschlagen.

Bernd Fischer schloss seinen interessanten Vortrag mit dem Hinweis, dass die Unterwasser-Archäologie in Rheinland-Pfalz trotz solcher spektakulären Funde nur ein Nischendasein führt. Bedingt vor allem durch fehlende finanzielle Mittel und nur wenige verfügbare Forschungstaucher sind Einsätze unter Wasser nur selten zu realisieren.

Diese Feststellung war dann auch ein wesentlicher Punkt in der anschließenden Diskussion, bei der sich auch mehrere Mitglieder des FUWA e.V. aktiv beteiligten. Konsens war, dass in Rheinland-Pfalz zukünftig, wie es schon seit längerem dort bei Landgrabungen erfolgreich Anwendung findet, in der Unterwasser-Archäologie verstärkt das Ehrenamt eingebunden werden sollte - insbesondere in Form des Einsatzes von speziell fortgebildeten Sporttauchern und durch Kooperationen mit Universitäten und Fördervereinen.


Zur Übersicht Fortbildungen.


Grafik mit Link zur Startseite

Grafik mit Link zur Kontaktseite