Holzschädlinge im Meer

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts glaubte man, dass Meerwasser wegen seines relativ hohen Gehaltes an verschiedenen Salzen eine Schutzwirkung für Holz hätte und damit einem Angriff holzzerstörender Mikroorganismen entgegenwirkt. Heute ist klar, dass das ein Irrglaube war.

 

Teil 3: Zersetzende Pilze und Bakterien

Jede Oberfläche, egal ob an Land oder unter Wasser, wird als erstes durch Bakterien besiedelt. Ein sogenannter Biofilm entsteht. Durch extrazelluläre Enzyme können dabei einzelne Arten Holzsubstanzen abbauen. Das bisherige Wissen über den bakteriellen Holzzersetzungsprozess im Meer ist jedoch noch sehr eingeschränkt, wird aber nach vorliegenden Erkenntnissen im Vergleich zu allen anderen bekannten holzschädigenden Organismen nur eine untergeordnete Rolle spielen, mit einer Ausnahme: einige Bakterien können auch bei geringen Konzentrationen oder sogar bei Abwesenheit von Sauerstoff existieren und dabei Holz sehr langsam, aber stetig zersetzen. So sind archäologische hölzerne Relikte im Gewässergrund, wie z.B. Holzfundamente von prähistorischen Pfahlbauten, die für Bohrmuscheln und -krebse nicht erreichbar sind, trotzdem langfristig dem Zerfall preisgegeben.

Wer oder was für die Schäden an kulturhistorisch bedeutsamen Holzwracks (mit)verantwortlich ist, lässt sich nur durch eine genaue Untersuchung feststellen.

 

Wenn die Kleinen mit den Großen

Auch Pilze leben im Meer - keine Ständerpilze, aber zumindest Schlauch- und imperfekte Pilze. Sie siedeln vor allem auf Algen oder höheren Meerespflanzen, haben aber auch beträchtlichen Anteil an der Zerstörung von Holz. Mit einem Netzwerk aus feinen Pilzfäden (Hyphen) dringen einige Arten tief ins Holz ein und zersetzen das Holz dadurch effektiver als Bakterien. Der ebenfalls enzymatische Holzabbau gleicht der vom Land als "Moderfäule" bekannten Zersetzung durch terrestrische Pilze. Befallenes Holz wird weich und schmierig und weist eine dunkle, grau-schwarze Verfärbung auf.

Meerespilze und Bohrasseln sind ein eingespieltes Team. Durch Abtragen der Oberschicht ermöglichen die Tiere den Moderfäule-Erregern ein tieferes Eindringen in das Holz. Durch ihr Umherlaufen und Schwimmen tragen Bohrasseln auch zu einer Verschleppung und Verbreitung der an ihnen haftenden Pilzsporen bei. Bohrasseln ihrerseits sind abhängig vom Vorhandensein mariner Pilze und deren enzymatischem Wirken, das die Besiedlung von Holz durch die Tiere überhaupt erst ermöglicht.


Interessante Literatur zum Thema:

  • Kempe, K. (1999): Dokumentation Holzschädlinge. - Verlag Bauwesen, Berlin: 168 S.
  • Kohlmeyer, J. (1958): Holzzerstörende Pilze im Meerwasser. - Holz als Roh- und Werkstoff 16: 215-220.


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